Chronik 42 - Schweinswale

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Chronik 42


CHRONIK  XV  Beobachtungen und Meldungen  2017

Donnerstag den 21. Dezember 2017   Zehn  Minke  begleiten  VolvoOcean  Race

Im Indischen Ozean  wurde eine Gruppe von 10 Zwergwalen (Balaenoptera acutorostrata Lacépède, 1804) von der „AkzoNobel“ einem Volvo Ocean 65 Regattaschiff  beobachtet. Die  Crew befindet sich auf der dritten Etappe des Volvo Ocean Race 2017 – 18 von Kapstadt nach Melbourne im  windreichen südlichen Ozean. Bei einer Geschwindigkeit von 15,2 Knoten wurden die begleitenden Wale, die  bis zu 30 km/h (Fish 1990)  schnell sein können, vom Schiff aus gefilmt bei relativ ruhiger See, und blieben schließlich achteraus Es könnte sich ev. auch um südliche Zwergwale  (Balaenoptera bonarensis Burmeister, 1867) gehandelt haben.



Donnerstag, den 21. Dercember 2017 Blauhai bei Rantum/ Sylt angespült

Gegen 20 Uhr wurde der Kadaver eines männlichen Bleuhaies ( Prionace  glauca  Linnaeus,1758)  am Strand von Rantum/Sylt von Spatiergängern entdeckt. Der herbeigerufenen Seehundjäger Thomas Diedrichsen transportierte den Hai nach Büsum in die Außenstelle des ITAW der Tierärztlichen Hochschule Hannover zur weiteren Untersuchung. Nach ersten Angaben war der Hochseehai, der bis zu 3,83m groß werden kann, in einem mäßigen Ernährungszustand, litt an einem Parasitenbefall mehrerer Organe, an inneren Blutungen und Entzündungen, die möglicherweise auf eine Sepsis (Blutvergiftung) hinweisen könnte.  Er  soll  sterbend in die Brandung geraten und vielleicht noch lebend gestrandet sein. Dabei habe er viel Sand aufgenommen. Blauhaie sind lebendgebärend, werden bis zu 20 Jahre alt und ernähren sich wie Pottwale, Schnabelwale und Grindwale auch von Cephalopoden. Die Strandung eines Hochseehais ist extrem selten und in deutschen Gewässern bisher m. W. noch nie beobachtet worden. Bilder und nähere Informationen auf www.Schutzstation-Wattenmeer.de  


Samstag  den  17. Dezember  2017   Südeutsche Zeitung   Nr.  289  Seite  33:

Thomas Hahn berichtet in der Wochenendausgebe der Süddeutschen Zeitung über das Tunnelbauprojekt durch den Fehmarnbelt und fragt: Wird die Baustelle die streng geschützten Schweinswale beeinträchtigen? Da ein Bohrtunnel wie zwischen England und Frankreich durch den Ärmelkanal wegen der uneinheitlichen Bodenbeschaffenheit zu unsicher – vielleicht zu teuer? – ist, soll eine 16 Meter tiefe und 60 Meter breite „Grube“ – wohl eher Rinne – am Grund des Fehmarnbelts zwischen Puttgarden und Rödby ausgebaggert werden. In diese werden dann 89 Betonelemente 214 Meter lang 40 Meter reit mit einem Gewicht von 70 000 Tonnen versenkt und zugeschüttet. Die dänische Gesellschaft sei sich der Umweltproblematik durchaus bewusst und bietet Millionen schwere Kompensationsmaßnehmen an um alte Umweltsünden auszugleichen.


Aber es sind nicht nur die Schweinswale, die durch die Bauarbeiten mit modernsten Riesenbaggern gestört belästigt und vertrieben werden, sondern auch Vögel und alle anderen Meeresbewohner, für die der Fehmarnbelt seit 7000 Jahren eine Wanderroute ist. Ein Beispiel für die möglichen Auswirkungen gab bereits 2008 der „Bucki“ getaufte Buckelwal Megaptera novaeanliae  (Borowski, 1771) am 15.u nd 18. August, als er zwischen der Lübecker Bucht und Gedser hin- und herschwamm, weil er sich wahrscheinlich wegen der seismischen Untersuchungen nicht traute durch den Fehmarnbelt zu schwimmen s . www.hvaler.dk  Thyge Jensen  Nye oplysninger om pukkelhvalen


Fredag d. 15. aug. 10:00Niendorf Tyskland

Lørdag d. 16. aug. 00:30Travemünde Tyskland Søndag d. 17. aug. 07:30 13:30 Gedser ? Neustadt, Bøje nr 1 Danmark

Intet nyt om pukkelhvalen… …men vi har haft kontakt med Palle Rasmussen, der så pukkelhvalen / en hval ved Gedser 17. august, 2008.

Tidspunkt: Søndag d. 17. 08. 2008 Kl. 07:30 Sted: 800-1000 m ud for Gedser Odde (Gl. Marinestation, Sydstenen) Hvalens svømmeretning: Nord

Tyskland Mandag d. 18. aug. 11:00 15:00 Grömitz Schwarzer Grund Tyskland Tyskland

Weitere Informationen unter  www.beltretter.de


Freitag  den  9.  Dezember  2017    Strandung eines Grindwals am Strand bei Norddeich/LK Aurich

Ein 4,5 m langer Grindwal ist in der Nacht vom 8. Auf den 9. Dezember  mit der hohen Tide angetrieben worden. Der Kadaver wurde von einem Mitarbeiter des NPLV Wattenmeer Niedersachsen gemeldet und fotografiert. Der Kopf wurde abgetrennt und soll nach Präparation im Waloseum ausgestellt werden. Der Rest des Kadavers  soll von  der Oldenburger Fleischmehlfabrik GmbH abgeholt werden.

Der jugendliche, männliche Grindwal ( Globicephala melas Traill, 1809) dürfte  nach dem Zustand (Stad. 3) des Kadavers bereits vor über zwei bis bis vier Wochen verendet und anschließend in der Nordsee verdriftet worden sein. Der Grindwal soll 1000kg gewogen haben, nach Abtrennen des Schädels noch 750kg. Anhand der Länge und des Gewichtes könnte das auch als Grind, Pilot- oder Schwarzwal bezeichnete Mitglied der Delphinfamilie die Geschlechtsreife gerade erreicht haben. Über die Todesursache gibt es keine Angaben, da das Tier nicht obduziert wurde. Laut einer Veröffentlichung von

IJsseldij et al. 2015 FatalAsphyxiationinTwoLong-FinnedPilot Whales(Globicephala melas)Causedby CommonSoles(Soleasolea)

LonnekeL.IJsseldijk1*,MardikF.Leopold2,ElisaL.BravoRebolledo2,RobDeaville3, JanHaelters4,JooskeIJzer1,PaulD.Jepson3,AndreaGröne

ergab die Obduktion  eines männlichen und eines weiblichen Grindwals, die im Dezember 2014 und Januar 2015 an der holländischen Küste gestrandet waren, dass beide Individuen an einer Verlegung der Atemwege durch Seezungen ( Solea solea Linnaeus, 1758) von 34,6 cm bzw.  27,5cm Länge gestorben waren. Eine fast identische Todesursache, verursacht durch Seezungen die die Atemwege verlegt hatten wurde bei 10 von 300 Schweinswalen in deutschen Gewässern der Nordsee beobachtet (Roller et al. 2017). (s.a. Bettina Wurche  - sienceblogs/meertext)

Einzel- und Massenstrandungen  von Grindwalen in europäischen Gewässern hat es auch in der Vergangenheit dokumentiert seit dem 18. Jahrhundert  immer wieder gegeben. 1854 sollen bei Solway Banks in der Irischen See  laut Millais (1906 zitiert nach Schultz 1969) etwa 300 Grindwale gestrandet sein. Hundert Jahre später kam es  In der Ostsee (Vejkleford im September 1954 zur Strandung von 63 Individuen (Kinze et al 2011). Watson (1981) berichtet, ohne eine Jahreszahl zu nennen, über eine Massenstrandung von 1000 Tieren bei den Lofoten. Aktuell strandeten  am 5. September 2014 24 Grindwale bei Vikna in Nord- Tröndelag/Norwegen. Jedes Jahr werden  etwa 300 Grindwale  bei den Färöer Inseln erlegt.

Ob Grindwale tatsächlich in der südlichen Nordsee so selten vorkommen ist unklar, immerhin berichten die Autoren IJsseldij et al. 2015  im Zusammenhang mit den Strandungen, dass eine Gruppe von etwa 20 Individuen vor der holländischen Küste beobachtet wurde, und Mörzer Bruyns (1971) dass eine Gruppe von 30 Grindwalen 1965 die Themse hinaufgeschwommen ist.  

Am 2. November 2015 stranden 10 Grindwale bei Calais.

Während der ECS Tagung in Middelfart wird am 1. Mai 2017 die Strandung eines Grindwals an der schwedischen Küste südlich von Kyrkesund in der Provinz Bohuslän gemeldet. Das Tier wird nachdem die schwedischen Institutionen kein Interesse bekundeten vom Kurator des Deutschen Meeresmuseums Stralsund Dr. Michael Dähne  geborgen und abtransportiert.


Donnerstag den 7. Dezember:

Die Cuxhavener Nachrichten berichten am 5. Dezember über einen im Elbfahrwasser treibenden Kadaver eines Zwergwals  (Balaenoptera acutorostrata Lacépède, 1804), der von der „MS Cuxhaven“ auf den Haken genommen und an Land entsorgt werden soll. Diese Aufgabe übernimmt  das LAVES das niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, dem auch die Fotos zu verdanken sind.

Fotos R. Pund LAVES

Es handelt sich um einen Jugendlichen männlichen Zwergwal im Stadium 1 der Verwesung.  Der Wal weist eine schwere Verletzung des linken Unterkiefers auf, die er sich höchstwahrscheinlich Ende November 2017 bei einer Schiffskollision auf der viel befahrenen Schifffahrtsroute im Elbe – Weserfahrwasser zugezogen hat. Etwas ähnliches soll im März 2016 einem Zwergwal in der sogenannten Kadetrinne passiert sein mit Propellerwunden, Schädelbasisbruch, mehreren verletzten Wirbeln und vielen weiteren Anzeichen der Schiffskollision, wie der Kurator der Meeressäugetiere am Deutschen Meeresmuseum Stralsund Dr. Michael Dähne berichtete.

In der Ostsee ist der Mink- oder Zwergwal nach dem Finnwal (Balaenopterus physalusLinnaeus, 1758) der zweithäufigste dort vorkommende Furchenwal und bei der ersten SCANS Zählung 1994 war man überrascht, wie viele Zwergwale  tatsächlich  gesichtet wurden. So sind Strandungen leider nicht allzu selten –  so  u. a. am 8. August  2012 im Lister Watt neben dem Hindenburgdamm und 2015 in der Weser, wie schon der am 8. Mai 1669 der in der Lesum gestrandete Zwergwal.


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