Chronik 33 - Schweinswale

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Chronik 33


Chronik  2016   VI    Beobachtungen   und   Meldungen


15. Oktober 2016  Tote  Kegelrobbe  am  Strand  von  Gr . Waabs


Kegelrobbe Halichoerus grypus  Fabricius, 1791 männlich, iuvenil  120 cm 35 – 40 kg Totenstarre  z. T. gelöst, Todeszeitpunkt 12.10.2016 (?)  -  geborgen 16. 10 2016 TKT Nieby

Fotos A. Pfander

14. Oktober 2016 Schweinswaltotfund Campingplatz Booknis ca. 1m.

16. 10 geborgen.

12./13. Oktober 2016 Schweinswaltotfund Strand Hasselberg ca. 1m Bergung 13.19. G. Bandholz TKT Nieby

11. Oktober 2016 Herman Reichenbach  macht per e-mail auf einen Artikel aus dem Guardian aufmerksam


Wunschdenken oder weiße Plastiktüte?

Eine siebentägige Expedition unter Leitung des Amateurs Song glaubt den Baiji (chinesich 白鱀豚, Pinyin báijìtún ) den wei0en Chinesischen Flussdelphin Lipotes vexillifer Miller. 1918 wiedergesehen zu haben. Man habe in der Nähe der Stadt Wuhu in der Provinz Anhui die „Göttin des Yangtze“ gesehen, die sogar gesprungen sei. Auf der von der Regierung unterstützten Webseite wird mitgeteilt: „Alle Augenzeugen - einschließlich der Fischer - sind sicher, es war ein Baiji“. Zu einer dritten Beobachtung soll es am 4. Oktober gekommen sein: um 9h20 Ortszeit sei ein weißer Punkt in Richtung einer Sandbank des Flusses geschwommen. Skepsis erscheint angebracht, da 2006 eine internationale Expedition von Wissenschaftlern 6300 Flusskilometer in sechs Wochen systematisch absuchte, aber leider den Chinesischen Flussdelphin nicht mehr gefunden hat. Die Art gilt seither – offiziell seit 2007 – als ausgestorben.

Die Gründe für das Aussterben des einzigen heute noch lebenden Vertreters der Gattung Lipotes aus der Familie der Lipotidae gehen weit zurück. In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts herrschte in der Volksrepublik China unter Mao Zedong eine katastrophale Hungersnot an der mehrere 10 Millionen Menschen starben, so dass die Fischer gezwungen waren den Delphin zu erlegen, um ihre Familien mit dem Fleisch der  „Göttin des  Yangtze“  zu ernähren. In den 60er Jahren waren es nach amtlichen Schätzungen noch ca. 400, 1997 23 und 1998 noch sieben Individuen bei einer auf ursprünglich 5000 Tiere geschätzten Population. Der Hauptgrund für das Verschwinden des Chinesischen Flussdelphins ist neben Überfischung und Beifang. Die starke Verschmutzung durch Industrie und Besiedlung, der enorme Schiffsverkehr auf einer der am meisten befahrenen Wasserstraße der Erde, die Regulierung des Stromes einschließlich des katastrophalen „Dreischluchten- Staudamms“, vor dessen negativen Auswirkungen Fachleute die chinesische Regierung rechtzeitig gewarnt hatten.

Und die ganze Welt hat nach Ansicht des renommierten Wissenschaftlers  Mark Carwardine tatenlos zugesehen, wie der  Chinesische Flussdelphin  Baiji  verschwand. Schon 1889 als er zusammen mit dem bekannten Schriftsteller Douglas Adams auf dem Yangtze  unterwegs war, um den schon damals extrem seltenen Flussdelphin zu suchen, waren sie erfolglos, trotz trickreicher Umwandlung eines Mikrophons zum Hydrophon mit Hilfe eines Kondoms – nachzulesen in  LAST CHANCE TO SEE ( deutsch: Die Letzten ihrer Art)

Nach Ansicht von Samuel Turvey , Mitglied der Expedition 2006, sollte man die Aufmerksamkeit eher auf den Chinesischen Glattschweinswal des Yangtze Neophocaena phocaenoides asiaorientalis  Pilleri & Gihr , 1972 richten, der ebenfalls von der Ausrottung bedroht ist, als einem „Geist“ nachzujagen.

Selbst wenn es sich bei der Beobachtung tatsächlich um  einen einzelnen Chinesischen  Flussdelphin gehandelt hat und selbst wenn es noch einige mehr sein sollten, die  bisher im Yangtze oder in den Nebengewässern vielleicht überlebt haben, reicht das bei weitem nicht aus, um die Art vor dem Aussterben zu bewahren.  



11. 10. 2010 Eckernförder  Delphin am Hals  verletzt

Wie die Eckernförder Zeitung berichtet, weist der Gr. Tümmler, der sich seit dem 2ten Oktober in der Eckernförder Bucht und Hafen aufhält eine Verletzung an der linken Halsseite auf. Die Verletzung soll erst vor wenigen Tagen  einem Taucher aufgefallen sein.  Die Beurteilung von Frau Prof. Prof. hc.  Dr Ursula Siebert vom ITAW Büsum der TiHo Hannover wird   in dem Zeitungsartikel, nachdem eine tieferreichende Verletzung ausgeschlossen werden konnte,  wie folgt zitiert: „Die Ränder sind etwas dicker, was darauf hindeutet, dass die Wunde zugranuliert – sich in Abheilung befindet“.


Fotos Thorsten Peuster/Taochen&Meeer/

Eine Beobachterin, die sich Sorgen darüber macht, dass „Ecki“, „Fredi“ oder „Fiete“ von Booten und Tauchern zu sehr bedrängt wird, konnte wie folgt beruhigt werden:

„Vielen Dank für Ihren Anruf, indem Sie Ihre Besorgnis über die Wunde des Gr. Tümmlers in der Eckernförder Bucht und um das Bedrängen mit Booten äußerten. Ich bin der gleichen Meinung wie Frau Prof. Prof. hc. Dr. Ursula Siebert, dass die Wunde reizlos, nur in das Unterhautfettgewebe reichend  und bereits mit einem Granulationswal umgeben ist, über den sich das Epithel zu schieben scheint (heutige Ausgabe EZ). Hinsichtlich der vermeintlichen "Belästigung" durch Boote und Taucher kann ich nur wiederholen, dass es dem vielleicht gelangweilten Delphin offensichtlich Spaß macht, mit Tauchern und Booten zu spielen, sonst würde er nicht in Ermanglung eines Partners die Nähe von Menschen suchen."


Auf diesem Foto (03.03.16) scheint die Wunde an der linken Seite noch nicht vorhanden zu sein, vielleicht ist sie aber auch nicht zu erkennen. Foto  Michael Wittl / EZ 05.10.16.


Geschlechtsbestimmung

Es besteht kein Zweifel, dass der Großen Tümmler wie schon vermutet männlichen Geschlechts ist. Zur Bestätigung schickt Thorsten Peuster www.TauchenundMeer.net folgende mail:

„Als das Tier vor 8 Tagen (Sonntag vor einer Woche) plötzlich unter Wasser zu uns kam, zeigte es in der darauf folgenden Stunde sehr, sehr reges Interesse an dem dritten Taucher. Dieser hatte gelbe Flossen und eine gelbe Pressluftflasche auf dem Rücken - und wie wir alle wissen, kann ein schöner Rücken auch entzücken...

Es war tatsächlich so, daß das Tier seinen Penis aus"fuhr" (Fachausdruck?) und dreimal eindeutig versucht hat sich mit dem "gelben" Taucher zu paaren! Der dunkle Schlitz zwischen den Schenkeln des Tauchers erinnerte ihn wohl an die Vaginalspalte der weibliche Tiere (trotz des schwarzen Neoprenanzuges).“


Fotos Michael Wittl 03.10.16/EZ 05. 10 16


Anmerkungen: Ein Teil der Aktivitäten von Delphinen und Schweinswalen sind sexuell motiviert als eine Form ihrer sozialen Kommunikation. Weibliche Individuen reiben sich Bauch an Bauch, oder streicheln sich mit den Flippern, männliche fahren den Penis aus der aufgerollt in einer Tasche des Genitalschlitzes "ruht". Da männliche Große Tümmler, meist getrennt von der matriarchalisch geführten Gruppe, ihr Leben in einer Koalition mit anderen Geschlechtsgenossen verbringen, sind gleichgeschlechtliche Aktivitäten wohl eher die Norm, wenn es ihnen nicht gelingt ein weibliches Tier aus der Gruppe zu entführen, um sich mit ihr zu paaren. Manchmal ist Gewalt im Spiel nicht nur gegenüber der eigenen Art sondern z. B. auch gegenüber den kleineren atlantischen Fleckendelphinen.


Schema der männlichen Geschlechtsorgane beim Schweinswal und Delphin nach E. J. Slijper 1979  aus GUIDE DES DAUPHINS ET MARSOINS J.- P. Sylvestre 1990 Delachaux et Niestle Paris S.35




Herman Reichenbach weist per e-mail auf eine in den Archives for natural history 43,2 (2016) 351 – 362 erschienene Veröffentlichung von G. N. H. Waller hin

Short notes

Two long-forgotten engravings of Sowerby’s beaked whale (Mesoplodon bidens) from the nineteenth century

Am  21 August 1835 strandet ein weiblicher Sowerby Zweizahnwal Mesoplodon bidens Sowerby, 1804 lebend im belgischen Ostende. Er überlebt zwei Tage in einem Pool am Strand und wird anschließend von dem Tierpräparator Luis Paret, der durch die Zeitung von der Strandung erfahren hat, von den Ostender Fischern erworben und präpariert. Ein Jahr später untersucht der belgische Politiker und Naturalist Barthélemy Dumortier das Skelett und die Haut des Tieres. Er vergleicht das Exemplar mit dem Wal, der 1825 am Strand von Le Havre gefunden und von F. Cuvier 1836 als Delphinorhynque microptère (Delphinorhynchus microptere) beschrieben wurde. Dumortier, der im Unterkiefer zwar die Alveolen aber nicht die zwei arttypischen Zähne findet, glaubt, dass beide Exemplare der gleichen Art angehören, obwohl der Ostender Wal etwas kürzer ist. Der Irrtum der Artidentität und, dass es sich um das 1804 von dem Naturalisten und Illustrator James Sowerby beschriebenen Physeter bidens (Mesoplodon bidens) handelt, wurde erst 1841 bzw. 1846 durch Schlegel und Wagner aufgeklärt.



Dumortiers Beschreibung (1839) enthält einen handkolorierten Stich, der wohl auf seiner eigenen Zeichnung beruht, aber von  G. Severeyns, der aus Ostende stammt, gestochen und koloriert wurde. Die blaue Färbung des Rückens und der Übergang zur helleren Bauchseite, was sich weder bei Sowerby noch in der Darstellung Cuviers findet, könnten darauf hinweisen, dass der Graveur das Tier nach der Strandung selbst beobachtet haben könnte.

Eine weitere Darstellung nach der Zeichnung Dumortiers findet sich bei Wagner  „ Die Säugethiere“ 1846 auf  CCCXLVIII  Fig2. Hier sind die oberen Extremitäten sowie die Größe und Position der Rückenfinne im Vergleich zur Gesamtlänge deutlich reduziert, was den tatsächlichen Proportionen eher entspricht. Tatsächlich wurde das Tier durch  Wagner als
Delphinus micropterus bezeichnet, was nach Waller auf einer unsicheren taxonomischen Unterscheidung zu dem 1823 von  Georges Baron de Cuvier als Civius cavirostris beschriebenen Schnabelwal beruht. Die bläuliche Verfärbung der Rückenhaut ist in dieser Darstellung einem Grauton gewichen wie auch auf anderen Darstellungen von Mesoplodon bidens.


04. Oktober 2016 Luke Rendell per e-mail

Mediterranean Sperm Whales, Physeter macrocephalus: The Precarious State of a Lost Tribe L. Rendell*,1, A. Frantzis† *Sea Mammal Research Unit, University of St Andrews, St Andrews, Fife, United Kingdom †Pelagos Cetacean Research Institute, Vouliagmeni, Greece 1Corresponding author: e-mail address: ler4@st-andrews.ac.uk

Contents:

1. Introduction

2. Is the Mediterranean Sperm Whale Special? 43

3. Making a Living in a Small and Oligotrophic Ocean 50

4. Population Structure Within the Mediterranean Sea: Is There More Than One Population? 56

5. How Many Sperm Whales Are There in the Mediterranean Sea? 59

6. What Is Threatening Sperm Whales in the Mediterranean? 61

7. Conclusions 66 Acknowledgements 67 References

Pottwale (Physeter macrocephalus Linnaeus, 1758) des Mittelmeers haben sich zu einer kulturell und genetisch isolierten Population entwickelt, deren Anzahl verglichen mit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eher in die Hunderte denn in die Tausende geht. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus mesopelagischem Tintenfisch. Es gibt keine Trennung in eine östliche und westliche Population, für beide gibt es eine Gefährdung durch Kollisionen mit Schiffen, Verschmutzung und Fischereiaktivitäten einschließlich Beifang durch Treibnetze. Die Autoren beklagen Wissenslücken durch unzureichende Forschungsmittel, obwohl das  Mittelmeer von relativ wohlhabenden Ländern umgeben ist. Die Direktive der EU für das Mittelmeer ist eher auf den bedrohten Bestand des Gr. Tümmlers fokussiert als auf die noch wenigen, verbliebenen Pottwale. Wenn diese erst einmal aus dem Mittelmeer verschwunden wären, gäbe es keine Garantie für eine Wiederbesiedlung.



07. Oktober 2016 shz Schleswig-Holstein Hamburg  Fossiles Walskelett bei Gross Pampau entdeckt Seite 5


Seit 1984 sind elf fossile Skelettreste  von Barten- und Zahnwalen in der Tongrube bei Gross Pampau ca. 35 km nordöstlich von Hamburg entdeckt und geborgen worden. Sie stammen meistens aus dem mittleren bis späten Miozän etwa seit 11 Millionen Jahre vor unserer Zeit. Damals reichte eine Bucht der Ur-Nordsee bis nach Gross Pampau, wo tote Wale, Haie und andere Meerestiere von Strömung und Gezeiten angetrieben wurden, verwesten und versanken. Sie können heute dank des darunterliegenden Salzstocks und der guten Kooperation mit der Fa. Ohle & Lau im Glimmerton bei einer Tiefe von nur 30 bis 40m  geborgen werden.  Bei dem neuen Wal soll es sich um einen 15 Meter langen Bartenwal handeln, von dem auch Reste des Beckens gefunden wurden. Dieser  taxonomisch noch nicht eingeordnete Wal soll später wie auch die anderen Wal-, Delphin- und Haiskelette in der sehenswerten Ausstellung des Lübecker Museum für Natur und Umwelt gezeigt werden.

Aus Fossil Record 9(1) (2006), 61–86 / DOI 10.1002/mmng.200600002

Middle/late Miocene hoplocetine sperm whale remains (Odontoceti: Physeteridae) of North Germany with an emended classification of the Hoplocetinae

Oliver Hampe*


2. Oktober 2016  Gr. Tümmler in Eckernförde per e-mail an die EZ und an andere Redaktionen des shz Fotos Thorsten Peuster und shz


Gegen 14h werde ich von Herrn Thomas Brandt darüber informiert, dass sich ein Großer Tümmler Tursiops truncatus Montagu, 1821 im Eckernförder Hafen aufhalten soll. Am besten sei er vom Vogelsang aus etwa in Höhe des Kiosk zu beobachten. Nachdem er vorübergehend in die Bucht geschwommen ist, kann er ab ca. 16h30 wieder zwischen Vogelsang und der Schiffbrücke beobachtet werden. Zwei Jachten, ein SUPaddler, und drei Motorboote sind ständig in seiner Nähe, jedoch ohne ihn weiter zu bedrängen. Er bleibt teilweise bis zu zwei Minuten unter Wasser. Möglicherweise handelt es sich zwar adultes, aber noch jugendliches Individuum. Fotos müßte es reichlich geben.

Später stellt sich heraus, das Thorsten Peuster Tauchen&Meer mit zwei anderen Tauchern den Gr. Tümmler unter und über Wasser beobachtet und fotografiert haben.

Fotos Thorsten Peuster/ EZ shz


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